Der Drieschenmelder: Wie eine digitale Karte aufgelassene Weinberge sichtbar macht

Mit INKA von tetraeder.com und der fachlichen Begleitung von neuland+ haben Winzer:innen und Kommunen im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden ein Werkzeug geschaffen, mit dem verwilderte Weinbergsflächen frühzeitig erfasst werden, bevor sie zum Problem für die ganze Lage werden.

Ein einzelner verwilderter Weinberg klingt zunächst nach einem Randproblem. Für die Winzer:innen in der Nachbarschaft ist er das nicht: Ungepflegte Rebflächen, sogenannte Drieschen, werden schnell zum Ausgangspunkt für Pilzkrankheiten und Schädlinge. Mit Folgen für ganze Weinbergslagen. Um solche Flächen systematisch zu erfassen, statt sie nur zufällig zu entdecken, ist der Drieschenmelder entstanden: eine interaktive Karte, mit der Winzer:innen und Kommunen den Zustand ihrer Weinbauflächen gemeinsam im Blick behalten.

Wenn Weinberge zur Gefahr werden

Als Driesche bezeichnet man Rebflächen, deren reguläre Bewirtschaftung (Rebschnitt, Bodenpflege, Pflanzenschutz) über einen längeren Zeitraum unterbleibt. Was zunächst wie ein Einzelschicksal wirkt, hat Folgen für die gesamte Umgebung: Verwilderte Flächen werden zu Befallsherden für Krankheiten wie Oidium (Echter Mehltau) oder Schwarzfäule und begünstigen die Ausbreitung von Schädlingen. Für benachbarte, aktiv bewirtschaftete Weinberge kann das existenzbedrohend werden. Baden-Württemberg hat mit der Weinrechts-Durchführungsverordnung (sogenannte Drieschenverordnung) eine rechtliche Grundlage geschaffen, damit Kommunen gegen die Entstehung solcher Flächen vorgehen können.

Drieschen entstehen dabei selten aus Nachlässigkeit. Häufig stecken fehlende Hofnachfolgen, wirtschaftlicher Druck auf Grenzertragslagen oder ungeklärte Eigentumsverhältnisse dahinter. Für Kommunen und Weinbauverbände ist das eine doppelte Herausforderung: Sie müssen nicht nur wissen, wo genau solche Flächen entstehen, sondern auch sensibel mit den Geschichten dahinter umgehen.

Der Weg zum Drieschenmelder

Für die systematische Erfassung entstand in Zusammenarbeit mit Hannes Bürckmann und Viola Sander von neuland+ sowie tetraeder.com die Projektidee des Drieschenmelders. Technisch umgesetzt wurde sie mit INKA, der interaktiven Kartenanwendung von tetraeder.com, erreichbar über die passwortgeschützte Projektwebseite.

Auf der Karte sind die Flurstücke der Weinbauflächen der beteiligten Kommunen hinterlegt. Beim Anklicken eines Flurstücks lässt sich der Zustand der Fläche direkt eintragen: als Driesche, als Beobachtungsfall oder als normale, bewirtschaftete Weinbaufläche. Zur besseren Einordnung können zusätzlich Fotos hochgeladen werden, sodass auch im Nachhinein nachvollziehbar bleibt, wie eine Fläche zum Zeitpunkt der Begehung aussah.

Auf der Karte sind die Flurstücke der Weinbauflächen der beteiligten Kommunen hinterlegt. Beim Anklicken eines Flurstücks lässt sich der Zustand der Fläche direkt eintragen: als Driesche, als Beobachtungsfall oder als normale, bewirtschaftete Weinbaufläche. Zur besseren Einordnung können zusätzlich Fotos hochgeladen werden, sodass auch im Nachhinein nachvollziehbar bleibt, wie eine Fläche zum Zeitpunkt der Begehung aussah.

Datenschutz war dabei von Anfang an mitgedacht: Die Karte ist ausschließlich über einen passwortgeschützten Zugang erreichbar und nicht öffentlich einsehbar. Auch innerhalb des Drieschenmelders selbst werden keine betriebsbezogenen Daten sichtbar. Erfasst wird der Zustand der Fläche, nicht die Identität der bewirtschaftenden Person oder des Betriebs. So bleibt die Akzeptanz bei den Winzer:innen hoch, weil niemand befürchten muss, dass die eigene Fläche öffentlich oder namentlich mit anderen Beteiligten geteilt wird.

Die Begehung: Praxiswissen trifft digitale Karte

Die eigentliche Bewertung der Flächen übernimmt eine ausgewählte Gruppe an Fachleuten selbst: Sie kennen die Lagen am besten und erkennen auf den ersten Blick, ob eine Fläche noch normal bewirtschaftet wird, ob sich ein Beobachtungsfall entwickelt oder ob bereits eine Driesche vorliegt. Die Ergebnisse der Begehung werden direkt in die Karte eingetragen und im Anschluss an die zuständigen Kommunen weitergegeben – als strukturierte, ortsbezogene Datengrundlage statt loser Notizen oder Einzelmeldungen.

Ergebnisse & Vorteile

  1. Frühwarnsystem statt Zufallsfund
    Statt Drieschen erst zu bemerken, wenn der Befall bereits auf Nachbarflächen übergegriffen hat, verschafft der Drieschenmelder einen systematischen Überblick über gefährdete und betroffene Flächen.
  2. Gemeinsame Datenbasis für Winzer:innen und Kommunen
    Beobachtungen aus der Praxis und die Zuständigkeit der Verwaltung laufen erstmals an einem Ort zusammen: nachvollziehbar dokumentiert, mit Fotos belegt und jederzeit abrufbar.
  3. Einfache, ortsbezogene Erfassung ohne Papierkram
    Die Begehung findet direkt vor Ort auf der Karte statt. Keine separaten Listen, keine doppelte Erfassung, keine verloren gegangenen Notizzettel.
  4. Grundlage für gezieltes und sensibles Handeln
    Kommunen erhalten eine belastbare Grundlage, um, etwa auf Basis der Drieschen-Verordnung, gezielt zu handeln, während der differenzierte Blick (Driesche/Beobachtungsfall /normale Fläche) verhindert, dass einzelne Betriebe vorschnell an den Pranger gestellt werden.
  5. Datenschutz von Anfang an
    Die Daten im Drieschenmelder sind nicht öffentlich einsehbar und ausschließlich für den passwortgeschützten Nutzer:innenkreis zugänglich. Betriebsbezogene Daten einzelner Winzer:innen werden im Tool selbst nicht angezeigt: Das schafft Vertrauen und senkt die Hemmschwelle zur Teilnahme.

Stimmen aus dem Projekt

Ausblick

Der Drieschenmelder zeigt, wie sich ein Nischenthema wie Drieschen mit einer einfachen, kartenbasierten Lösung greifbar machen lässt. Für andere Weinbauregionen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, bietet das Projekt ein übertragbares Modell: eine niedrigschwellige, passwortgeschützte Erfassung, getragen vom Praxiswissen der Winzer:innen und eingebettet in die fachliche Begleitung durch Regionalentwicklung.

Wir sind für Sie da.

Ob Sie Fragen zu unseren Produkten haben, eine Beratung wünschen oder bereits konkrete Projektideen besprechen möchten – unser Team steht Ihnen gerne zur Verfügung. Lassen Sie uns gemeinsam die nächsten Schritte in der digitalen Stadtplanung angehen.